50 Jahre Spielmannszug des SV Engelbostel

Im Jahre 1957 fasste der Schützenbruder Wilhelm Kief den Entschluss, für den Schützenverein Engelbostel einen Spielmannszug zu gründen.
Karl Scheele, der bereits Erfahrungen mit Spielmannszügen hatte, wurde von Wilhelm Kief für den Aufbau des Spielmannszuges gewonnen und aus der Jugendabteilung des Schützenvereines wurden die ersten "Spielleute" gewonnen, die auch mit Begeisterung ans Werk gingen.
Daran, dass die Damenabteilung 35 Jahre besteht,erkennt man dass es damals reine "Männersache" war.
Das größte Problem bestand darin, sich Instrumente zu beschaffen, denn die Vereinskasse ließ es damals nicht zu, den Spielmannszug finanziell zu unterstützen und so mussten die Instrumente aus eigener Tasche bezahlt werden. Reichte es dazu nicht, musste auf dem Übungsabend ein Frühstücksbrett als Trommelersatz dienen.

Vom 19.08.1957 an wurde für die Übungsabende eine Anwesenheitsliste geführt. Danach trafen sich 8 Flötisten und 9 Trommler regelmäßig einmal pro Woche unter der Leitung von Karl Scheele bei unserem Vereinswirt Christian Tegtmeyer.

Am 09.09.1957 erhöhte sich die Zahl der Mitglieder auf 22. Als erster Marsch wurde der Yorkscher Marsch nach Grifftabellen eingeübt.
Zwischenzeitlich formierte sich die Jagdhorn-Bläsergruppe.Trotz großer Mühe bekamen einige Akteure am ersten Übungsabend keinen einzigen Ton aus dem Instrument und auch die heute Aktiven mussten oft erst diese Erfahrung machen.

Die Generalversammlung 1958 konnte bereits mit einem Bläsermarsch untermalt werden. Bei dieser Generalversammlung wurde auch für einen Tambourstab gesammelt. Als Spender stifteten Erich Strauß, Hermann Stucke, Günther Stucke, Heinrich Frehrking sen., Walter Heilemann und Jupp Busch den Tambourstab.
Da zum Spielen auf Rundmärschen auch das Marschieren gehört, wurde das in der Winterzeit im Saal bei Tegtmeyer geübt und bei entsprechendem Wetter in der Feldmark.

Im Frühjahr 1958 wurde Helmut Stark Spielmannszug-Obmann, später Spielmannszugleiter und übernahm damit die schriftlichen und finanziellen Angelegenheiten. Der erste öffentliche Auftritt fand zum Schützenfest 1958 in Engelbostel statt. Im gleichen Jahr wurde auch schon zu Umzügen auf den Schützenfesten in Stelingen und Resse gespielt,zu denen die Anreise per Fahrrad durchgeführt wurde und da es an Uniformen mangelte, wurde im weißen Hemd mit grüner Krawatte gespielt.

Den Abschluss brachte das Engelbosteler Erntefest, dass trotz "eigenen" Zuges weiter vom alten Garbsener Spielmannszug begleitet wurde, wie auch in den Folgejahren.
1959 brachte mehrere Auftritte für Gartenvereine, so dass Uniformen und Instrumente gekauft werden konnten, so z.B. eine große Lyra, Pauke und Becken.
Zu den Einsätzen fuhr man oft mit dem Möbelwagen von Otto Claus. Erster Lyraspieler war Joachim Kaetelhodt, der zusammen mit Helmut Stark, Karl Scheele als Tambourmajor vertrat.
In den Folgejahren wurde der Spielmannszug zum festen Bestandteil bei Umzügen in Engelbostel und den Nachbardörfern.

1968 wurden die ersten Mädchen als Flötistinnen aufgenommen. Durch den Flughafenbau musste Karl Scheele umziehen, so dass er dem Spielmannszug nicht mehr zur Verfügung stand.
Andrea Reikat wurde nun Tambourmajorin, Helmut Stark übernahm die Ausbildung des Spielmannszuges und Gerhard Richter übte mit den Jagdhornbläsern.
Karl-Heinz Johannes, der Spielmannszugführer aus Berenbostel und Andreas Pfeiffer unterstützten die Übungsabende, Andreas Pfeiffer noch bis Anfang der 80er Jahre, vor allem die Bläsergruppe.
Gerhard Richter gab der Jagdhornbläsergruppe viele neue Impulse, so führte er Parforcehörner und Plesshörner mit Ventilen ein. Dadurch wurde das Repertoire erheblich ausgeweitet. Die ersten beiden Parforcehörner wurden von Peter Baumgarte und Bernd Lawrenz gestiftet.

Anfang der 80er Jahre schaffte sich die Bläsergruppe Clubjacken an, da sie zunehmend auch zu Auftritten außerhalb von Schützenvereinen eingeladen wurden, etwa zu Parforcejagden oder Jubiläen. Auch Auslandsaufenthalte fanden statt.

Zu unserem 25-jährigen Jubiläum im Mai 1982 zählte der Spielmannszug 48 Spielleute, davon 15 Jagdhornbläser und 26 der Spielleute waren unter 18 Jahren.
Zu diesem Jubiläum stifteten Peter Baumgarte, Richard Finke und Rolf Haarmann dem Zug eine Standarte.

Von den Mitgliedszahlen aus dem Jahr 1982 können wir seit Jahren nur "träumen", das Freizeitangebot für Jugendliche hat sich sehr vergrößert und sie scheiden oft nach 3-4 Jahren wieder aus.
Hatte schon Helmut Stark dadurch schwere Zeiten, wurde es Anfang der 90er Jahre noch schwieriger. 3 Flötistinnen kämpften in dieser Zeit um den Erhalt des Spielmannszuges.

Es waren Mirjam Linneweh, Meike Segreff und Manuela Gruhn. Sie übten mit den verbliebenen Jugendlichen jeden Montag, waren bei jedem Ausmarsch dabei und sie gaben nicht auf.
Im Jahr 1996 wurde bei den Schützendamen ein Aufruf gestartet, dass sie sich am Montag zum Übungsabend der Flötistinnen melden sollten. Tatsächlich nahmen sich einige Schützendamen ein Herz und versuchten der Querflöte Töne zu entlocken.
Es sind heute noch Ilona Vogt, Brigitte Rieger, Brigitte Vogt, Cornelia Grädner, Friederike Prendel und Sigrid Nötzel aktiv dabei.

Helmut Stark und Gerhard Richter wurden viel zu früh nach schwerer Krankheiten aus unseren Reihen gerissen, ebenso Peter Baumgarte. Wir werden ihnen eine bleibende Erinnerung bewahren, ohne sie wäre der Spielmannszug nicht denkbar gewesen.

Die Nachfolge beider trat Rolf Vogt bis 1996 an. Danach übernahm Peter Brokmann und anschließend bis heute Michael Vogt das Amt des Bläserobmanns.
Die Spielmannszugleitung übernahm 1995 Jens Brokmann und von 1996 - 2003 Klaus Schmidt, der aus beruflichen Gründen dieses Amt niederlegen musste.

Zur Zeit besteht der Spielmannszug aus 33 Mitgliedern davon 14 Jagdhornbläser.

Zwei Gründungsmitglieder, Horst Köhring und Edmund Wagner sind nun seit 50 Jahren aktiv dabei, zunächst als Trommler, dann als Jagdhornbläser.
Unser ältestes aktives Mitglied ist, mit fast 80 Jahren, Kurt Kolberg.

Möge die Idee des Gründers Wilhelm Kief - durch Musik Freude zu bereiten, die Geselligkeit zu pflegen und Tradition und Moderne zu verbinden - auch nach 50 Jahren, noch lange in Engelbostel lebendig bleiben.

Unsere Übungszeit ist Montags von 18:00 bis 20:00 Uhr für den Spielmannszug und ab 20:00 bis 22:00 Uhr für die Jagdhornbläsergruppe.

Gabriele Hanselmann, Spielmannzugführerin

spielm-graust

Aufnahme aus dem Jahre 2001